Erste EcoOst-Arena im autobau in Romanshorn: Mehr Ostschweiz für die Schweiz

Thursday, 31. August 2017

Mehr als 150 Entscheidungsträgerinnen und -träger aus Politik und Wirtschaft trafen sich zur ersten EcoOst-Arena, um der Frage nach dem Ostschweizer Zusammenhalt nachzugehen. Das Podium vereinte Spitzenpolitiker aus den Kantonen Thurgau, St.Gallen und beiden Appenzell. Ausgangspunkt der Diskussionen war die Präsentation des EcoOst-Monitors, der die wirtschaftliche Dynamik der verschiedenen Regionen vergleicht. Die Ostschweiz schneidet unterdurchschnittlich ab.

Die Innerrhoder haben den Alpenbitter, die Ausserrhoder die Silvester-Chläuse, die St.Galler die Olma-Bratwurst und die Thurgauer den Most. Aber was verbindet die vier Ostschweizer Kantone miteinander? Die beiden Industrie- und Handelskammern Thurgau und St.Gallen-Appenzell sind überzeugt, dass die Ostschweiz ihr Potenzial als Wirtschaftsregion unter anderem deshalb nicht abruft, weil die einzelnen Kantone zu wenig gut zusammenspannen. Mit der neuen Veranstaltung EcoOst-Arena haben die beiden Wirtschaftsverbände eine Plattform geschaffen, um den Fragen des Ostschweizer Zusammenhaltes nachzugehen. Sollen wir über die Kantonsgrenzen hinaus vermehrt zusammenarbeiten? Macht es überhaupt Sinn, die Ostschweiz als einen politischen Raum zu betrachten? Mehr als 150 Entscheidungsträgerinnen und -träger aus Politik und Wirtschaft sind der Einladung nach Romanshorn gefolgt und nutzten die EcoOst-Arena für den interkantonalen Austausch.

Unterdurchschnittliche Entwicklung

Eingangs präsentierte Frank Bodmer, Leiter von IHK-Research der IHK St.Gallen-Appenzell, den neu lancierten EcoOst-Monitor . Dieser stellt ein Indikatorensystem zur Messung der wirtschaftlichen Dynamik dar. Der EcoOst-Monitor gibt Aufschluss, wie sich die Schweizer Regionen in Bezug auf vier wichtige Kennzahlen (Beschäftigung, Bevölkerung, Export und Steuerbasis) in den letzten Jahren entwickelt haben. Frank Bodmers Fazit ist ernüchternd: Die Ostschweiz schneidet bei allen vier Indikatoren unterdurchschnittlich ab. Am nächsten bei der nationalen Entwicklung lag das Beschäftigungswachstum, am weitesten entfernt dasjenige der Exporte.

Ostschweiz braucht stärkere Wirtschaftsmotoren

Im Anschluss diskutierte der Thurgauer IHK-Direktor Peter Maag mit Frank Bodmer über die Resultate des EcoOst-Monitors. So stellten sie fest, dass einer der auffälligen Unterschiede zwischen den erfolgreicheren und weniger erfolgreichen Regionen starke Zentren sind. Die wirtschaftlich dynamischen Gebiete wie die Genferseeregion oder Zürich verfügen mit Lausanne und Genf respektive mit Zürich über starke Zentren, die auch weiter gestärkt werden. In der Ostschweiz ist dies nicht der Fall. Für Frank Bodmer braucht unsere Region stärkere Wirtschaftsmotoren: «Die Politik kann und muss ihren Beitrag dazu leisten», ist er überzeugt. Doppelspurigkeiten sollten reduziert und gemeinsame Projekte entwickelt werden, welche die Region als Ganzes weiterbringen. Zudem müsse die Stimme der Ostschweiz in Bundesbern gestärkt werden.

Aktivitäten hinter den Kulissen

Eine dieser Stimmen aus Bundesbern ist die Thurgauer Ständerätin Brigitte Häberli. In einem Impulsreferat ging sie der Frage nach, wieviel Ostschweiz denn die Schweiz brauche. Sie ist der Meinung, dass die Ostschweiz im Rest der Schweiz über eine Vielfalt und Vielzahl an Vorstössen und Engagements besser wahrgenommen wird, als wenn eine kollektive Rolle der Ostschweiz definiert würde. Denn die einzelnen Aktivitäten basieren auf Kontakten zu wichtigen Entscheidungsträgern und betreffen in der Regel aktuelle und konkrete Themen. Gleichwohl gebe es Ostschweizer Gemeinsamkeiten und gemeinsame Aktivitäten. Man finde sie allerdings stärker im Hintergrund, fand Brigitte Häberli. Viele vom Bund in der Ostschweiz getätigten Investitionen beruhen auf persönlichem Engagement hinter den Kulissen. Sie zeigte sich überzeugt, dass der Schweiz mehr Ostschweiz guttun würde. Doch letztlich könne unsere Region in der restlichen Schweiz nur mit ihren Persönlichkeiten besser wahrgenommen werden: «Identität schaffen können wir nur mit Köpfen.»

Gestaltungswillen und Fokussierung auf Kernthemen

Benedikt Würth, der zweite Referent aus der Politik, ist nicht nur St.Galler Regierungsrat, sondern steht zurzeit auch der Ostschweizer Regierungskonferenz vor. Dementsprechend lag es auch an ihm, weitere Fakten zur Ostschweiz vorzustellen, die ein weniger düsteres Bild zeichnete als der zuvor präsentierte EcoOst-Monitor. Würth zeigte sich überzeugt, dass wir gemeinsam stärker sind, sofern gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. So müsse Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Medien gemeinsam Gestaltungswillen an den Tag legen und sich auf die wirklichen Kernthemen fokussieren. Dazu zählt er die Stärkung der Attraktivität der Ostschweiz als Wohn- und Arbeitsort. Dies sei umso wichtiger, als die demografische Entwicklung eine grosse Herausforderung für die kantonalen Finanzhaushalte darstellen werde. Für die Ostschweiz sei es zudem wichtig, Aus- und Weiterbildung sowie Forschung und Entwicklung auf die «Industrie 4.0» auszurichten. «In den entscheidenden Zukunftsthemen sitzen wir alle im gleichen Boot – packen wir es zusammen an», schloss Benedikt Würth.

Hochkarätiges Podium

Auf dem von den beiden Chefredaktoren David Angst (Thurgauer Zeitung) und Stefan Schmid (St.Galler Tagblatt) moderierten Podiumsgespräch diskutierten nebst den beiden Referenten Ständerätin Brigitte Häberli und Regierungsrat Benedikt Würth drei weitere Regierungsvertreter: Der Innerrhoder Landammann und Nationalrat Daniel Fässler, der Ausserrhoder Landammann Paul Signer und der Thurgauer Regierungsrat Jakob Stark. Im Anschluss konnten die gut 150 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft über die Kantonsgrenzen hinweg beim Apéro netzwerken.

 

(Bildlegende)

Hochkarätiges Podium mit Regierungsrat Benedikt Würth (SG), Regierungsrat und Nationalrat Daniel Fässler (AI), Regierungsrat Paul Signer (AR), Ständerätin Brigitte Häberli (TG), Regierungsrat Jakob Stark (TG) und die beiden Moderatoren Stefan Schmid (ganz links) und David Angst (ganz rechts). (Foto Augustin Saleem)

 

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